Online Jugendbeteiligung in Offenbach – „Schließlich sind wir die Zukunft.“

In Offenbach an der Queich können Jugendliche seit dem vergangenen Jahr online bei kommunalen Entscheidungen mitbestimmen. Jetzt werden die ersten ihrer Ideen umgesetzt.

„Ich bin hergekommen, weil es um unser Dorf geht und ich selber etwas verändern kann“, erzählt Lea. Genauso wie die anderen Schülerinnen und Schülern der Konrad-Adenauer-Realschule plus ist sie mit Eifer bei der Ideenwerkstatt dabei, die Mike Bourquin, Jugendpfleger aus Offenbach, kurz vor den Weihnachtsferien initiiert hat, um mit den Jugendlichen über ihre Ideen und Vorschläge für die Verbandsgemeinde zu sprechen. Dabei stellt er das Programm Youthpart #lokal – Kommunale Jugendbeteiligung der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung und die Beteiligungsplattform ypart.eu vor, auf der die Jugendlichen Vorschläge machen, diskutieren und abstimmen können. Und das Beste daran: Die Politiker haben sich verpflichtet, die Ideen auch wirklich zu bearbeiten.

 Offenbach

Bessere Busverbindungen, Schwimmbad, Dorfkino oder Skatepark – das sind nur einige der Vorschläge der Jugendlichen. „Die Kids haben tolle Ideen“, schwärmt Bourquin, der 2006 schon einmal eine Jugendbeteiligung in Offenbach organisiert hat. Damals allerdings noch ohne Internet, komplett per Hand. „Zum Schluss hatte ich über 300 Überstunden“, erinnert er sich. Das soll diesmal anders werden. Die Beteiligungsplattform ypart.eu übernimmt die Auswertung der Daten, „das spart mir viel Zeit“, sagt er. Und auch die Schülerinnen und Schüler sind von dem Konzept überzeugt. „Man bezeichnet uns ja als die Computergeneration“, sagt Benjamin und ergänzt: „Internet ist einfach viel praktischer.“ Sandra nickt und sagt: „Ich habe gerade nicht viel Zeit, neben der Schule noch etwas zu machen.“ Aber über die Onlineplattform kann auch sie sich schnell beteiligen.

Dass Jugendbeteiligung konkret etwas bewegen kann, zeigt das Experiment von 2006: Damals wurde in Offenbach zusammen mit Jugendlichen ein neues Spielplatz-Konzept entwickelt, Schulwege verbessert und eine Grillhütte gebaut. Jetzt soll ein Outdoor-Fitnessplatz entstehen. Das haben die Schülerinnen und Schüler auf der Plattform ypart.eu online entschieden.

Und noch etwas freut Bourquin: Jugendbeteiligung führt in Offenbach tatsächlich zu weniger Vandalismus und Fehlplanungen. Zudem ist die Umsetzung der von Jugendlichen initiierten Projekte meist günstiger als regulär geplante. Auch ein Lob will er noch aussprechen: „Unser Bürgermeister ist sehr flexibel, ohne ihn wäre das alles gar nicht möglich.“ Und Tim fordert selbstbewusst: „Ich finde, wir Jugendliche sollten öfter mitbestimmen können, auch im Dorf. Schließlich sind wir die Zukunft.“

Text und Bild: DKJS/Senem Kaya